|
|
|
|
Hallo Frachtschiffe.de (und Mitleser), zurück an Land von "großer Fahrt" mit der "Kalina" hier mein zugesagter Bericht. Die "Kalina" ist ein Feederschiff (5309 BRZ, 700 Container), von dem ich den Eindruck habe, daß es in einwandfreiem Zustand ist und auf dem die Sicherheit ernst genommen wird. Die Besatzung vom Kapitän bis zum Matrosen erlebte ich als sehr freundlich und immer ansprechbar. Das Boarding für die 7-tägige Rundreise erfolgte am Freitag in Hamburg vom Containerterminal Burchardkai aus. Ein Shuttleservice brachte meine Frau und mich vom Gate des Terminals an die Gangway des Schiffes. Dort wurden wir von einem Schiffsmechaniker in Empfang genommen, der unseren Koffer die Gangway hinaufwuchtete und uns zu unserer Kabine leitete. Das war unsere erste Begegnung mit Felix, mit dem wir später noch manchen Jux hatten. In unserer Kammer lag ein Einweisungspapier für Passagiere bereit, in dem sich die nötigen Informationen zum Schiff und zu den Sicherheitsvorschriften befanden. Die zweite Passagierkabine des Schiffes wurde von einer Mitreisenden bezogen, so daß wir drei Passagiere auf der "Kalina" waren, die zusammen noch manchen guten Schluck genommen haben. Schon bald ließ der Kapitän sich bei uns blicken. Sein Angebot, jederzeit auf die Brücke kommen zu können, haben wir gern und oft wahrgenommen und er war immer bereit, uns Landratten auch noch die dümmsten Fragen zu beantworten. Klar, daß man sich auf der Brücke so verhält, daß man den Betrieb nicht stört. Im übrigen war das gesamte Schiff für die Passagiere frei zugänglich. Wir hatten uns in der kleinen aber zweckmäßigen Kabine noch garnicht ganz richtig häuslich eingerichtet, als es auch schon Zeit zum Lunch wurde. So stiegen wir die Treppen hinunter in die uns zugewiesene Offiziersmesse, wo wir Alex, dem filipinischen Koch, begegneten. Mit Alex, dem zweifellos wichtigsten Mann an Bord, haben wir auf unserer Reise dann noch so manchen unterhaltsamen Spaß gehabt. Auch die übrigen Mitglieder der 11-köpfigen Besatzung lernte man schnell kennen und schon bald bekam man mit, wer an Bord welche Funktion ausübte. Nach der ersten Nacht an Bord begann die Reise, indem wir einen Tag lang im Hamburger Hafen herumschipperten, sprich: Unser Schiff verholte vom Burchardkai zum Eurogate-Terminal und von da zum Containerterminal Altenwerder um dort jeweils Fracht aufzunehmen. Die An- und Ablegemanöver zu beobachten war natürlich hochinteressant und die Bewegungen der Container auf dem Kai und das Verladen mit den gewaltigen Container-Ladebrücken zu verfolgen war einfach staunenswert. Am Abend des Sonnabends ging es dann wirklich los: Die "Kalina" verließ Hamburg die Elbe hinab, vorbei am Airbuswerk mit den umstrittenen Ausbauflächen, entlang dem höchsten Berg Hamburgs, dem Hügel von Blankenese, mit seinen gediegenen Häusern, dann die hohen Schornsteine des Kraftwerks Wedel, die nächtlichen Lichter der Raffinerie bei Stade, Glückstadt, Brunsbüttel mit seiner Kanalschleuse bis zur Mündung des Flusses bei Cuxhaven. Von dort bei Dunkelheit nordwärts die deutsche Küste und dann Jütland entlang. Am Sonntagmorgen zeigte der erste müde Blick aus dem Kabinenfenster erstmals die offene See. Die Nordsee war ruhig und blieb den Tag über auch so. Es sollte sich zu einem gemütlichen Tag in unseren Klappstühlen auf Deck entwickeln mit Blick auf einen wunderschönen Sonnenuntergang. Beeindruckend in der Dämmerung der rege Schiffsverkehr bei der Umrundung Skagens (Ein Tip nebenbei: Fernglas nicht vergessen!). Von hier aus ging der Kurs ostwärts nach Schweden. Kurz vor Mitternacht wurde in Göteborg festgemacht. Die nächtliche Anfahrt auf den Hafen, hindurch durch die vorgelagerten Inseln mit ihren verschiedenfarbigen Seewegmarkierungen - faszinierend. Der gesamte Montag stand für einen Landgang zu einem Besuch Göteborgs zur Verfügung. Die Stadt selber erreicht man, indem man sich mit dem Shuttleservice des Frachtterminals zunächst zum Hafengate bringen läßt und von dort mit Bus/Bahn oder mit der Taxi in das Stadtzentrum fährt (Der Käptn gibt einem Tips). Wir erkundeten die Innenstadt Göteborgs bis die Füße nicht mehr wollten und waren schließlich froh das rettende Schiff wieder zu erreichen. Nach Löschung fast der gesamten Ladung machte der Kapitän mitten in der Nacht um 3 Uhr am Dienstag die Leinen wieder los. Wir waren natürlich in den Kojen als eine Stunde später ein Sturm losbrach. (Naja, für uns Landratten war es ein Sturm, tatsächlich hat es sich - wie ich später im Logbuch des Schiffes nachlesen konnte - um einen starken Wind der Stärke 6 gehandelt) Das Schiff hat jedenfalls ganz schön geschaukelt. Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, wenn das Bett sich wechselseitig am Kopf- und Fußende senkt und hebt. So ganz wohl war meinem Eheweib in der Magengegend nicht zumute während ich zum Glück von Beschwerden verschont blieb. Aber auch so etwas ist ein Erlebnis, das zur Seefahrt gehört. Zur Frühstückszeit war der Spuk schon wieder vorbei und natürlich Thema schauderhafter Schilderungen. Am Dienstag Mittag erreichte unser Schiff Malmö um neue Containerfracht aufzunehmen. Bei der Anfahrt auf den Hafen konnte man die größte Schrägseilbrücke der Welt, die Öresundbrücke, ausmachen. Den Weg in den Hafen aber weist schon von weitem der "Turning Torso", ein moderner Wohnturm in verdrehter Bauweise mit 57 Stockwerken. Auch in Malmö gingen wir an Land. Dabei zeigte sich, daß die Innenstadt von Malmö besonders leicht zu erreichen ist. In einem noch nicht einmal halbstündigen Fußweg ist man am Hauptbahnhof und kann von dort aus seine Besichtigungsrunde drehen. Die Stadt hat uns noch besser als Göteborg gefallen, sie machte auf uns einen freundlichen Eindruck mit ihren kopfsteinbepflasterten Marktplätzen und gemütlichen Cafès. Mittwoch, kurz vor Mittag, ging es von Malmö wieder los, und zwar ein kurzes Stück zurück nordwärts nach Helsingborg. Auch hier stand Fracht bereit. Die Fahrt führte im Öresund an der Insel Ven vorbei - durchs Fernglas betrachtet ein kleiner Flecken Erde mit sich um einen Leuchtturm drängenden roten Holzhäusern mit ihren weißen Fensterrahmen - einfach idyllisch. In Helsingborg bestand keine Möglichkeit des Landgangs, da das Schiff schon um 21 Uhr den Hafen mit Ziel Kopenhagen wieder verließ. Ankunft der "Kalina" in Kopenhagen war kurz vor Mitternacht noch am Mittwoch. Unser Frachter war dort dringend erwartet worden, denn kaum daß das Schiff am dortigen Terminal festgemacht hatte und die Gangway heruntergelassen war, wurden auch schon die Containerladebrücken herangefahren und auf dem Kai wuselten die Van-Carrier mit erkennbarer Eile die zu verladenden Container heran. Früh um 3 Uhr am Donnerstag - wir waren natürlich wieder in der Koje - wurden die Leinen in Kopenhagen losgemacht. Ziel Nord-Ostsee-Kanal. Es wurde eine Überfahrt Richtung Kiel bei wunderschönem Wetter und wir haben wieder einmal unser C-Deck zum Sonnen genutzt. Mit dem Erfolg bei mir, daß ich einen Sonnenbrand im Gesicht bekam. (Daher: Sonnencreme nicht vergessen!) Am frühen Donnerstag-Nachmittag kam Kiel-Holtenau mit der Kanalschleuse in Sicht. Das folgende habe ich mir natürlich auf der Brücke nicht entgehen lassen. Kurz vor der Schleuseneinfahrt rauschte das Lotsenversetzboot heran und brachte den Kanallotsen und zwei Kanalsteuerleute an Bord. Von unserem Käptn hatte ich zuvor schon gehört, daß er jetzt erst einmal ein paar Stunden Ruhe haben würde. Die beiden Kanalsteuerleute würden abwechselnd das Schiff durch den Kanal bis Brunsbüttel steuern wobei der Kanallotse die Führung zu übernehmen hatte. Und der Kanallotse wiederum würde bei Rendsburg von einem Kollegen abgelöst werden. Der Blick auf den Kanal von der Schiffsbrücke aus: wunderschön. Und die Lotsen und Steuerleute hatten manche Anekdote zu erzählen. Die kannten dort einfach jede Ecke und haben mich auf jede Besonderheit auf unserer Strecke Aufmerksam gemacht. Das Kanalende in Brunsbüttel lag um 23 Uhr voraus. Nur mit der Einfahrt in die Schleuse wurde es zunächst nichts. Eine der beiden Schleusenkammern war gesperrt und es herrschte dicker Schiffsverkehr. Ein Vorwärtskommen war nicht zu sehen - also ab in die Koje. Beim Erwachen am Freitag morgen zeigte ein Blick aus dem Kabinenfenster, daß die "Kalina" auf der Elbe fuhr und sich in Hamburg auf Höhe des Airbuswerks befand. Also nichts wie zügig angezogen und rauf auf die Brücke, denn das Anlegemanöver wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Und es hat sich gelohnt. Es war für mich einfach spannend, den Hafenlotsen auf unserer Brücke zu beobachten, seiner Verständigung mit unserem Schiffsführer und dem geführten Funksprechverkehr zu lauschen. Dazu der tolle Überblick von der hohen Schiffsbrücke über den Waltershofer Hafen, auf dem gedrängter Schiffsverkehr herrschte. Die von den verschiedenen Lotsen und Schiffern der beteiligten Schiffe per Funk abgesprochenen Manöver der Schiffe im Hafen zu beobachten war für mich schon ein Erlebnis. Festgemacht haben wir dann am Eurogate-Containerterminal im Waltershofer Hafen. Es war noch genug Zeit für ein Frühstück in der Messe, das der Koch wie immer gekonnt auf den Tisch gebracht hatte. Überhaupt: An der Verpflegung gab es nichts auszusetzen. Der Cookie war Klasse. Ein paar Tage länger an Bord und wir hätten einige Kilo mehr auf den Rippen gehabt. Was bleibt noch zu sagen? Nach Verabschiedung von Cook und Käptn gingen wir drei Passagiere am Vormittag von Bord, den Kopf voll von dem Erlebten. Es war meine erste Seereise und ich denke, es wird nicht die letzte gewesen sein. Ich habe noch eine Auswahl von Fotos beigelegt. Ahoi! Dieter Böhme |
|